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Im Schatten der Worte

Der Impuls für die Serie war die Ausschreibung für eine Ausstellung "Schatten und Licht". Die Verknüpfung zur Typographie war eine persönliche Entscheidung: Jede Schriftart trägt die Gene der Epoche, in der sie erschaffen wurde. Ort und kultureller Raum spiegeln sich genauso. Wassily Kandinsky, der in Russland, Deutschland und Frankreich lebte, kam vielleicht auch deshalb zu dem Schluß: "Buchstaben sind praktische und nützliche Zeichen, aber ebenso reine Form und innere Melodie".

Meine Macke, von "Persönlichkeiten" zu sprechen wenn ich Schriftarten meine, hat ihren Grund: In einem meiner früheren Leben war ich Lehrbeauftragter für Typographie, heute würde mich niemand mehr dafür haben wollen. Heute geht es mir um die Seele, um das Echo des Menschseins, das wertvolle Schriftarten in sich tragen. Deshalb auch mein zunehmendes Interesse an Kalligraphie, das ich der Kunstarche Wiesbaden verdanke.

Lange Rede. Das erste Werk war der Versuch, den Titel der Ausstellung typographisch zu erschließen. Nachdem die Buchstaben in Abstraktion aufgelöst waren, blieben die fremdartigen Zeichen einer nie von Menschen gesprochenen Sprache. Der Werktitel ist meinem Entsetzen darüber geschuldet, dass die Sprache in Medien und Politik immer empathieloser und grobschlächtiger wird. "Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen" (Talmud).

Schatten und Licht. Eine Etappe auf dem Weg der Erschließung.
Im Schatten der Worte. Jochen Schnepf 2025.

Schattenflotte
Lichtspielhaus

Zu viel Schatten. Auf der Suche nach Licht habe ich ein tröstendes Wort gefunden. Jeder Teil und jede Kombination daraus ist hell: "Licht" genauso wie "Spiel" und wie "Haus" als sozialer Ort. Selbst "Lichtspiel" und "Spielhaus" strahlen Wärme aus. Was ist ein "Lichthaus"? Gibt es das oder muss es noch erfunden werden?