Ausstellung 5. Februar 2017

Weiße Bilder ohne Farben, wie soll das gehen? Die Leinwände von Jochen Schnepf sind alles andere als leer. Er arbeitet mit Relief, einer Paste aus Gips und Acrylbinder, der Grundzutat von Acrylfarbe. Diese bringt er mit feinen Spachteln auf. "Das muss sitzen, beim ersten Mal". Das Finish bekommen die Werke mit Titanweiß, dem reinsten Weiß, das er gefunden hat.

Einige der Werke waren bei Tatorte Kunst in Wiesbaden ausgestellt. Da waren sie noch vollständig weiß. "Erst dannach habe ich das Gold ergänzt, die Farbe der Heilung". Deshalb empfindet er die Ausstellung in Geisenheim als besonderen Glücksgriff. Die "Impulsräume" der Heilpraktikerin Simone Walter und der Klangpädagogin Ulrike Burckard. "Heilung im ganzen Raum, besser geht's nicht".

Die Ursuppe wandelt sich

Mehr Akzente in Gold, mehr Intarsien aus der Natur. Sylvia von Bernstorff, die mir 2015 das Arbeiten mit Faktur nahebrachte, hatte eine gute Intuition. Sie neckte mich mit "Jochen und sein heiliges Weiß". Lange bevor ich selbst realisiert habe, wo die Reise hingeht. Zum Weiß noch Gold, die Farbe der Heilung. So verwende ich sie. Aber die Adjektive "geheilt" und "heilig" sind enger verwandt, als ich es wahrhaben wollte.

Plötzlich interessieren mich Ikonen und urchristliche Archetypen. Aus der alten Zeit, bevor die Amtskirche in kollektiver Machtpolitik ihre eigenen Wurzeln durchtrennt hat. Die Synchronizität mit meiner psychologischen Beratungstätigkeit ist augenfällig: Jede Klärung in der Seele - Ängste, Depression, Konflikte, was auch immer - hat einen spirituellen Anteil. "Wo komme ich her?", "Wer bin ich?", "Wo gehe ich hin?". Die Sinnfragen. Wir werden sehen, wo die Bilderreise hingeht.

Sonntag 5. Februar 2017
14.oo bis 18.oo Uhr

Impulsräume
Neustraße 8
65336 Geisenheim

Ursuppe

Die Bilder drängen in's Außen, rütteln an ihren Rahmen.

2011 die Spurensuche. Bei den Kunsttätern suchen Fotografien den Dialog mit Skulpturen. Später Malerei mit Tonschlicker in der Kunstwerkstatt Rauenthal. Die Bilder entwickeln Texturen, Risse.

2015 die Begegnung mit Faktur. Wieder das Drängen in's Außen. Die Reliefs absorbieren die Farben. Manifestieren zu Skulpturen, die ihren Kontext mit sich tragen. Das überbewusste Rauschen der Fakturmasse. Die Ursuppe.

Intuition und Kognition schließen Frieden. Das Unwillkürliche bleibt führend, der Verstand darf beitragen. Gemeinsam formen sie die Ursuppe zu Projektionsflächen. Für die inneren Filme der Betrachter. Fokussierung der Aufmerksamkeit.

Die Botschaft bestimmt der Empfänger.

Die Werkserie "Ursuppe" bei Tatorte Kunst